Raul Castro Biographie und Lebenslauf

Raúl Castro Ruz wurde am 3. Juni 1931 im Ort Birán (in der damaligen kubanischen Provinz Oriente) als Sohn des Großgrundbesitzers Ángel Castro Argiz und dessen Frau Lina Ruz González geboren. Er ist ein kubanischer Revolutionär und Politiker. Seit dem 24. Februar 2008 ist Raúl Castro Staatspräsident Kubas. Damit löste er seinen Bruder Fidel Castro ab, der ihm die Regierungsgeschäfte bereits 2006 aus gesundheitlichen Gründen übertrug. Raúl ist der jüngste - neben Ramón (geboren 1924) und Fidel (geboren 1926) - der drei Castro-Brüder und war mit Vilma Espín verheiratet, mit der er eine gemeinsame Tochter namens Mariela (geboren 1963) hat. Seit der Revolution 1959 ist er einer der führenden Köpfe im Staat und in der Partei Kubas.

Revolution gegen Diktator Batista

Nach seiner Schulzeit in Santiago de Cuba und Havanna (Jesuitenschule) studierte Raúl Sozialwissenschaften und war als Studentenführer der moskautreuen Juventud Socialista, der Sozialistischen Jugend aktiv. Raul Castro beendete sein Studium aber nicht. Im Alter von 22 Jahren wandte sich Raúl Castro vom Christentum seines Elternhauses ab und wurde wie Fidel überzeugter Kommunist. Als Gründungsmitglied der Organisation "Bewegung des 26. Juli" am am 12. Juni 1955 war Raúl Castro treibende Kraft der Revolution gegen den Diktator Batista auf Kuba. Nach dem Scheitern eines Angriffs am 26. Juli 1953 auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba wurde Raúl zu 13 Jahren Zuchthaus auf der Isla de Pino (heute Isla de la Juventud, südlich von Havanna) verurteilt. Er und sein Bruder kamen aber im Mai 1955 nach nur zwei Jahren im Rahmen einer Generalamnestie wieder frei und gingen ins Exil nach Mexiko und in die USA. Zusammen mit 81 Gesinnungsgenossen kehrten sie am 2. Dezember 1956 nach Kuba zurück, um den Kampf gegen das Batista-Regime fortzusetzen. Nur zwölf überlebten das erste Gefecht mit den Truppen des Diktators sie waren der Kern der Rebellenarmee, die drei Jahre später als Sieger in Havanna einzog.

Aufstieg in der Regierung

Von 1959 bis 1976 war Castro Vize-Premierminister, danach wurde er Vizepräsident des Staatsrates. Raúl Castro galt als ideologischer Hardliner. Er war mit Che Guevara eng befreundet. Seine Frau Vilma Espín war bis zu ihrem Tod am 18. Juni 2007 Vorsitzende des kubanischen Frauenverbandes und überzeugte Kommunistin. Raúl Castro war 1959 daran beteiligt, den populären, aber gegenüber kommunistischen Strömungen sehr skeptischen Guerillaführer Commandante Huber Matos seines Amtes zu entheben und in einem Prozess zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilen zu lassen.

Raúl Castro im zweiten Glied

Raúl Castro hielt sich immer im zweiten Glied, obwohl Fidel mehrfach öffentlich erklärte, sein Bruder sei radikaler und energischer als er selbst. Doch im Juli 1960 war es Raúl Castros Reise durch die damaligen Ostblockstaaten, die den Grundstein zur Kooperation mit Moskau und Peking legte. Offen ist indessen, ob seine Moskau-Visite 1962 tatsächlich den Ausschlag dafür gab, dass die UdSSR Raketen zur Zuckerinsel entsandte und so die Kuba-Krise auslöste, die die Welt an den Rand eines Atomkrieges brachte.

Der Präsidentenbruder war auch die treibende Kraft hinter dem Militärengagement in Angola (hier kämpften von 1975 bis 1991 zeitweise bis zu 40 000 Kubaner, die letztlich den Sieg der damals kommunistischen MPLA unter Agostino Neto sicherstellten), in Äthiopien sowie in einer ganzen Reihe anderer afrikanischer Staaten. Auf Kuba selbst setzte er das Militär auch in der Produktion und sogar im Tourismus ein, um den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes nach dem Kollaps des Sowjetimperiums zu verhindern. Trotz der ideellen Gegensätze war er sets bereit, über eine Kooperation mit den USA zu verhandeln. "Wenn es sein muss, sogar auf dem Mond", sagte er 1964.

Uebernahme von Regierungsgeschaeften

Am 31. Juli 2006 übertrug Staats- und Regierungschef Fidel Castro, aufgrund einer schweren Erkrankung und einer komplizierten Darmoperation, vorübergehend die Führung der Partei, den Oberbefehl über die Armee und das Amt des Staatsoberhaupts an seinen Stellvertreter und Bruder Raúl Castro.

In seiner Antrittsansprache in der kubanischen Nationalversammlung kündigte der 76-Jährige an, vor allem den sozialistischen Weg seines Bruders Fidel fortsetzen zu wollen. Er werde sich insbesondere auf die Kommunistische Partei als Macht- und Steuerungsinstrument in Kuba stützen. Als eine wichtige Aufgabe bezeichnete er die Befriedigung der Grundbedürfnisse der Bevölkerung. Dieses müsse durch mehr Disziplin bei der Produktion und eine Stärkung der nationalen Wirtschaft erreicht werden, ohne die eine Entwicklung unmöglich sei. Einige Maßnahmen würden bereits untersucht, sagte Castro weiter, so die Aufwertung des kubanischen Peso, was von der Bevölkerung gefordert wird. Außerdem wiederholte er einmal mehr sein Versprechen, die Gehälter der Bevölkerung anheben lassen zu wollen, "damit das Lebensniveau eines jeden in Relation zu dessen legalen Einkünften steht".

Bei der Wahl zur Nationalversammlung am 20. Januar 2008 erreichte Raúl Castro mit 99,3 Prozent die höchste Stimmenzahl aller Abgeordneten. Sein Bruder Fidel kam mit 98,4 Prozent der Stimmen auf den vierten Platz.

Am 24. Februar 2008 wurde Raúl vom Parlament zum Staats- und Ministerpräsidenten gewählt, nachdem sein Bruder Fidel einige Tage zuvor erklärt hatte, nicht mehr für diese Ämter kandidieren zu wollen. Auf seiner Antrittsrede sprach er die Probleme des Landes, wie zum Beispiel das doppelte Währungssystem an. Dabei sprach er von einem Prozess der Transition und kündigte an, einige Verbote für die Bevölkerung aufheben zu wollen, ohne jedoch ins Detail zu gehen. Den Weg des Sozialismus wolle er jedoch fortsetzten.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,536369,00.html